All Those Tomorrows, 2009
Installation im Zivilschutzraum innerhalb der S-Bahn Station “Harburg Rathaus”

Die Position der in Köln lebenden Künstlerin Julia Bünnagel, bis 2006 Studentin der Düsseldorfer Kunstakademie bei Hubert Kiecol und Tony Cragg, kreist seit mehreren Jahren um das Thema “Urbanität”. Die Stadt und das städtische Leben, die Beobachtung von Architektur und “städtischer Psychologie”, werden darin in abstrakter Form reflektiert. Julia Bünnagel entwickelt ihre Ausstellungen jeweils direkt auf den Raum bezogen, in dem sie gezeigt werden, und arbeitet in verschiedenen Medien. Meist handelt es sich um Installationen, teils mit photographischen Elementen, einige durch Sound erweitert. Es sind jedoch überwiegend “kühle” Materialien, beispielsweise lackierte MDF- oder Glasplatten, die in perfekter Ausführung und geometrischer Anordnung eine Sensibilisierung für die Beschaffenheit des Raumes erzeugen. Durch die spiegelnden Materialien werden das Umfeld und alle Bewegungen darin automatisch miteinbezogen. Dem Vorschlag des Kunstvereins folgend hat Julia Bünnagel für die Harburger Berge eine Arbeit im und für den Zivilschutzraum Harburg konzipiert. Dieser wurde während des Kalten Krieges als Mehrzweckanlage mit der S-Bahn-Station “Harburg Rathaus” erbaut, um im Ernstfall bis zu fünftausend Menschen zwei Wochen lang Schutz und Überleben zu sichern. Es handelt sich damit um den größten Schutzraum Hamburgs. Die Künstlerin reagiert nun auf die ungewöhnlichen Räume nicht, indem sie der Stimmung des Bunkers folgt, die sich unmittelbar beim Betreten und mit dem Wissen um die Funktion der Räume einstellt. Stattdessen begrüßt sie die Besucher mit dem vieldeutigen, in Goldfolie auf die Wände gebrachten Schriftzug ALL THOSE TOMORROWS und gibt sodann den Blick auf einen besonderen Schatz frei: Goldspiegelnde Kuben, scheinbar als Labyrinth arrangiert, durchbrechen die stumpfen Grau- und Schlammtöne von Wand und Boden und schaffen eine neue Wirklichkeit unter der Erde.



Julia Bünnagel
*1977 in Haan, lebt und arbeitet in Köln.

Ausgewählte Ausstellungen und Projekte
Es werde Dunkel! Nachtdarstellungen in der zeitgenössischen Kunst, Städtische Galerie, Bietigheim-Bissingen; Stadtgalerie, Kiel, 2009
Space Quest, Tape, Arnheim, Niederlande, 2008
Where Words End, The Forgotten Bar Project (mit Patrick Rieve), Berlin, 2008
Subcity, Sebastian Brandl, Köln, 2007
Happy End in Hell, Gloria Halle, Düsseldorf, 2007
Korrelat, KX Ausstellungsraum, Hamburg 2006
Julia Bünnagel, Gist, Arnheim, Niederlande, 2001

Stipendium
• Stipendium Schloss Ringenberg, 2008



• zurück