Zeremonie für Harburger Vereine (Arbeitstitel), 2009
Zeremonie mit 11 Harburger Vereinen auf dem Marktplatz “Sand” ca. 15 min. digitaler Videofilm HDV 16:9, Sound ausgestrahlt an verschiedenen Orten entlang der Harburger Einkaufszone “Seevepassage/Lüneburger Straße”

Matthias Einhoff, Absolvent der Universität der Künste zu Berlin, experimentiert mit Performancesituationen und verschiedenen audio-visuellen Medien, wobei die gewählten filmischen Formate stets eine tragende Rolle spielen. Neben seiner künstlerischen Tätigkeit ist er Mitbegründer des Ausstellungsprojekts Skulpturenpark Berlin_Zentrum und beschäftigt sich in diesem Zusammenhang mit sozialen, historischen und gesellschaftlichen Prozessen, die im öffentlichen Raum stattfinden. Von ihm initiierte, partizipative Projekte erreichen mitunter große Dimensionen, an seinem Projekt “Celebration”, das 2009 in Berlin stattgefunden hat, waren ca. hundert Menschen beteiligt.

In Harburg interessiert sich Matthias Einhoff für das Vereinsleben als sozialer Raum und Möglichkeit von bürgerschaftlichem Engagement. In einer Zeremonie lässt er am 27. September 2009 auf dem lokalen Marktplatz “Sand” mehrere Vereine aufeinander treffen und sich einer größeren Öffentlichkeit präsentieren. Stellvertretend für die große Bandbreite der Harburger Vereinslandschaft beteiligen sich traditionelle Institutionen, etwa die Schützengilde und der Landfrauenverband Ortsteil Marmstorf e.V., genauso wie aus dem Bereich Sozialarbeit stammende Vereinigungen, wie der Umsonstladen und der Jugendclub Blechkiste, in dem viele Kinder mit migrantischem Hintergrund ihre Freizeit verbringen. Auch die afrikanische Freikirche Christ's Ambassadors Church of God und der AStA der Technischen Universität nehmen teil. Harburg als “Gemeinschaft der Gegensätze” zeichnet sich in den verschiedenen Zusammenschlüssen der Bürger deutlich ab.

Die Vereine sind eingeladen, die Teilnahme am Projekt als öffentliche Plattform für Meinungsäußerung und Selbstdarstellung zu nutzen. Den Initiativen wird dabei eine Form der Repräsentation zuteil, die sonst der Inszenierung staatlichen oder sportlichen Großereignissen vorbehalten bleibt: Die eigene Flagge wird gehisst, die Vereinshymne gespielt und schließlich werden, wie in China, von einer Tribüne Botschaften in Form von zusammengesetzten Großplakate übermittelt. Das Gleiche gilt für die Dokumentation der Zeremonie, die später an verschiedenen Orten in der Stadt zu sehen sein wird: Spektakuläre Kamerafahrten unterstreichen die Bedeutung, die dem Ereignis zukommt. In einem finalen Gemeinschaftsmotiv werden die verschiedenen Symbole und Logos zusammengeführt. Die Arbeit setzt sich auf partizipative Art und Weise mit dem Selbstverständnis von Vereinen als gesellschaftlicher Institution auseinander. Sie wirft Fragen zu den möglichen Gemeinsamkeiten innerhalb der pluralistischen Vereinslandschaft auf und reflektiert die Folgen aktueller Entwicklungen, wie zum Beispiel der Verdrängung lokaler Traditionen durch moderne und überregionale Stadtentwicklungserscheinungen.



Matthias Einhoff
*1972 in Hildesheim, lebt und arbeitet in Berlin

Ausgewählte Ausstellungen und Projekte
• Gründungsmitglied der Künstlergruppe Superschool. Konzeption und Herstellung verschiedener experimenteller TV- und Performance-Formate.

• Gründungsmitglied des Kunstvereins KUNSTrePUBLIK e.V. und kuratorische Tätigkeit im Rahmen der Skulpturenpark Berlin_Zentrum Ausstellungsreihen

Celebration im Rahmen von Landreform, Skulpturenpark Berlin, 2009
Kongress des Halbwissens für das Jugendportal der Bundeszentrale für
politische Bildung, Berlin, 2008/09
• Retrospektive Superschool – 9 1/2 Jahre do-it-yourself Fernsehen, Filmfestival Winterthur, Schweiz, 2007
Shape of Things, visuelle Experimente im Gorki Theater, Berlin, 2003



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